stachelschriften
Arbeitsgruppe B.I.P. - Wirtschaftswachstum als oberste Prämisse
Stachelschriften
blickwinkel - Redaktion 2014
1 / 3
BIP 1

Das BIP und die Angst vor dem Aussterben

Inhalt

1. Kapitel
jährliche Zunahme der Bevölkerungsdichte in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert

2. Kapitel
Bevölkerungswachstum als Grundlage unseres Wohlstands

3. Kapitel
Warum die Fokussierung auf das BIP ?


zunächst ein kleines Vorwort

Um die Bedeutung von Bevölkerungszahlen für die Wirtschafts- und Wohlstandsentwicklung darzulegen, finden sich in großer Zahl fertig formulierte und glattgebügelte Erklärungen, sorgsam erstellt durch ein Heer hochdotierter Experten im Auftrag eigeninteressierter Gruppierungen.

Gewiss, es ist mühsam, sich ein eigenes Zahlenwerk zusammenzustellen, anhand dessen dann Korrelationen abgeleitet werden sollen.
Dazu bedarf es belastbarer Daten, die in unserer Informationsgesellschaft aber Jedem zugänglich sind.
Deren Unterschiedlichkeit birgt jedoch auch das Risiko, alleine schon durch die Quellenauswahl, Ergebnisse tendenziell vorwegzubestimmen.


Besonders praktisch sind Zahlenerhebungen, die man dank ausreichenden Budgets direkt selbst in Auftrag gibt.
Das ist keinem freien Journalisten und keinem unabhängigen Publizisten möglich, Parteien und insbesondere Regierungen können das sehrwohl, ist es doch niemals das eigene Geld der Auftraggeber, welches das sogenannte 'Forschungsbudget' bestimmt.


Da wir uns bei der Zusammenstellung der nachfolgenden Daten auf öffentlich zugängliche Quellen beschränkt haben, sind diese meist nicht explizit benannt.
Es steht jedem frei, und dies sei überdies ausdrücklich empfohlen, selbst die einen oder anderen Quellen abzugleichen, anhand derer eigene Rückschlüsse gezogen werden können.


1. Kapitel

jährliche Zunahme der Bevölkerungsdichte in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert

In Anbetracht der sich immer wieder verändernden Flächenausdehnung ist als Bemessungsgrundlage nur die Besiedlungsdichte sinnvoll.
Auch der Begriff 'Deutschland' ist über diesen Zeitraum schwer zu fassen.
Daher beginnt der Vergleich mit dem Deutschen Zollverein, gefolgt vom Reichsgebiet nach 1871, wobei Überseebesitzungen ausgenommen bleiben.
Im weiteren 20. Jahrhundert beziehen sich die Zahlen auf unmittelbare Reichsgebiete bzw nach 1945 auf die 4 Besatzungszonen und anschließend auf BRD + DDR, soweit Daten verfügbar sind.
Die Gesamtdeutschen Zahlen sind Grundlage ab Einheit.


Unsere Ausgangsdaten sind im Kern die folgenden :

1834 wurde die erste gemeinsame Volkszählung in allen deutschen Staaten durchgeführt. Damit wurde erstmals eine relativ exakte Einwohnerzahl festgestellt, es lebten etwa 23,5 Millionen Menschen in den deutschen Staaten.
Das entspricht ungefähr einem Viertel der heutigen Bevölkerungsdichte von aktuell 226 Einwohnern pro km².

Seither stieg die Dichte kontinuierlich an.

56 Einwohner pro km² 1834 Zollverein
+ 11 in 15 Jahren = + 0.7 pro Jahr.

67 Einwohner pro km² 1849 Zollverein
+ 6 in 15 Jahren = + 0.4 pro Jahr.

73 Einwohner pro km² 1864 Zollverein
+ 3 in 7 Jahren = + 0.4 pro Jahr.

76 Einwohner pro km² 1871 Deutsches Reich
+ 15 in 19 Jahren = + 0.8 pro Jahr.

Sonderfaktoren für 1871 bis 1890 - Zuwanderung

Zitat aus einer Veröffentlichung des Bundesministeriums des Innern
(Referat G II 5, Öffentlichkeitsarbeit)
In den Jahren ab 1880 nimmt die Ost-West-Wanderung aus dem preußischen Osten ins Ruhrgebiet weiter zu.
Arbeiter aus dem deutschen, österreich-ungarischen und russischen Polen sind nicht nur in der Industrie gefragt, sondern werden in großer Zahl (etwa 400.000) saisonal auch in der deutschen Landwirtschaft, vor allem auf ostelbischen Gütern, als Billiglohnkräfte herangezogen.


Bereits vor 1900 ziehen Arbeitsmigranten aus Norditalien zunächst vornehmlich nach Südwestdeutschland zu.
Vor dem Ersten Weltkrieg waren im gesamten Deutschen Reich bis zu 200.000 italienische Arbeitsmigranten beschäftigt.

Nun sind 200.000 Migranten für die Betrachtung der Bevölkerungsdichte keine relevante Grösse, vielmehr zeigt diese Erscheinung aber, daß es der wirtschaftlich Aufschwung ist, der die Migration nach sich zieht, und keinesfalls der Kausalzusammenhang andersherum konstruiert werden sollte.

91 Einwohner pro km² 1890
+ 29 in 20 Jahren = + 1.45 pro Jahr.

Sonderfaktoren für 1890 bis 1910 - industrielle Entwicklung, Landwirtschaft, Infrastruktur, Medizin


Als Motor der deutschen Wirtschaftsentwicklung ab etwa 1880/1900 gelten Stahlerzeugung, Elektrizitätswirtschaft und die chemische Industrie.
Hinzu kam der Ausbau eines flächendeckenden Eisenbahnnetzes.
Durch den Einsatz neuer Düngemittel stieg die Produktivität in der deutschen Landwirtschaft steil an.
Die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands war damals enorm. Auch stieg Deutschland zur modernen Seemacht auf und die Stahlherstellung fokussierte sich auf Maschinenbau und Schiffsbau.
Die Handelsflotte steigerte die Effizienz durch den Umstieg vom Segelschiff auf das Dampfschiff.




1888 traten zunächst Hamburg und anschließend auch Bremen dem Deutschen Zollverein bei.
Die Häfen dieser Städte entwickelten sich zu den modernsten, schnellsten und umschlagsgrößten Hafenanlagen Europas.
Deutschland baute seine Schiffsrouten zügig aus und fuhr um 1900 alle wichtigen Häfen der Welt an.
Die wirtschaftliche Attraktivität Deutschlands zog einerseits Einwanderer an, andererseits stiegen die Geburten- und Überlebensraten.

Auch in dieser Periode zeigt sich wieder, daß es der wirtschaftliche Aufschwung war, der die Einwanderung initiierte.

120 Einwohner pro km² 1910
+ 15 in 29 Jahren = + 0.5 pro Jahr.

135 Einwohner pro km² (laut Knaurs 1939)
+ 68 in 11 Jahren = + 6.2 pro Jahr

Sonderfaktoren für 1939 bis 1950 - 5-7 Mio Kriegstote
(je nach Quelle, Stat. Bundesamt 1991 oder frühere und spätere Historiker)
andererseits rund 8 Mio Fremd- und Zwangsarbeiter, von denen nur wenige blieben, andererseits Deutsche Zwangsarbeiter außerhalb Deutschlands, von denen rund 4 Mio erst nach 1947 zurückkehrten,
ca. 1 Mio Geburten auf 800.000 Sterbefälle - = 20% Überschuss, dennoch ein nur geringfügiger Faktor,

...hinzu kam eine innereuropäische Zuwanderung nach dem Krieg
(aus bpb.de)
Von den 12,5 Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen in der Bundesrepublik und DDR des Jahres 1950 kam mit knapp sieben Millionen der größte Teil aus den ehemals deutschen Gebieten östlich von Oder und Neiße.

Als nächstgrößere Gruppe folgten knapp drei Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus der Tschechoslowakei.

Hinzu kamen 1,4 Millionen aus dem Polen der Vorkriegsgrenzen, 300.000 aus der bis 1939 unter der Verwaltung des Völkerbunds stehenden Freien Stadt Danzig, knapp 300.000 aus Jugoslawien, 200.000 aus Ungarn und 130.000 aus Rumänien.

Das macht 34 Einw. pro qkm aus, bezogen auf die Grösse von BRD+DDR.
Gemessen am Zuwachs der Bevölkerungsdichte zwischen 1939 und 1950 erklärt diese Zwangszuwanderung ziemlich genau die Hälfte der Veränderung.

Alleine durch diesen Faktor relativiert sich die starke Zunahme der Bevölkerungsdichte von + 6.2 auf + 3.1 je qkm.




203 Einwohner pro km² 1950
+ 47 in 39 Jahren = + 1.2 pro Jahr bezogen auf den dicht besiedelten Westen,
bzw 30 in 40 Jahren = + 0.75 pro Jahr, rechnet man den dünner besiedelten Osten mit ein.

Der Westschnitt lag bei knapp 250 kurz vor der Deutschen Einheit 1989 .
Der neue gemeinsame Schnitt danach lag dann bei ca. 220.

Daß sich im Rahmen der Sonderfaktoren der vielzitierte Babyboom nicht wiederfindet, erklärt sich daraus, daß er sich nicht wirklich spürbar auswirkt.
Innerhalb des Zeitraums 1950 bis 2000 liegt auch der sogenannte Pillenknick. Beide Effekte kompensieren sich teilweise.

So weit vorab die Eckdaten, die es uns nicht ermöglichten, einen signifikanten Zusammenhang zwischen wirtschaftlichen Blütezeiten und einem Anstieg der Bevölkerungsdichte herzuleiten.
Es ist uns nicht erkennbar, was Ursache und was Wirkung ist. Festzustellen bleibt, daß Beides, der Anstieg des PK-BIP und die Zunahme der Bewohner je qkm miteinander einhergehen.
Am plausibelsten scheint die Annahme, daß ein moderat steigender Wohlstand eine wirksame Voraussetzung für die Zunahme einer Bevölkerung ist.

Komfortzuwachs, Effizienzsteigerung in der Produktion und Dienstleistung sowie medizinische Verbesserungen optimieren (etwas technisch gesagt) die biologischen Reproduktionsbedingungen. Dabei ist es insbesondere der medizinische Versorgungsrahmen, der durch Verminderung der Sterblichkeit bei Neugeborenen wie auch bei Erwachsenen, die Bevölkerungszahl ansteigen lässt.

Welchen positiven Einfluss eine möglichst hohe Bevölkerungsdichte für den Wohlstand des Einzelnen hat, wird gerne aus der Tatsache hergeleitet, daß es gerade die dicht besiedelten Länder sind, die einen hohen Lebensstandard aufweisen.
Das würde aber bedeuten, daß eine Zunahme der Dichte auch mit einem steigenden Lebensstandard einherginge.

Länder und Regionen mit gestiegener Population müssten somit über diese Zeiträume eine erkennbare Verbesserung im Lebensstandard aufweisen.

Mit der Frage in wie fern das so ist, befasst sich der zweite Teil.


BIP-Religion Teil 1

zum nächsten Kapitel 2 / 3