Informationen zu geschichtlich und touristisch interessanten Orten und Begebenheiten in der Zeit von Herzog Karl bis Stanislas

 




Nach dem Tode von Karl IV trat sein Neffe als Karl V die Nachfolge an. Er war ein Sohn von Nikolaus Franz von Vaudémont, welcher selbst Jahre zuvor kurzzeitig Herzog von Lothringen und Bar gewesen war. Als der jüngere Sohn von Nikolaus Franz gelangte Karl V erst nach dem Tode seines älteren Bruders Ferdinand im Jahr 1659 in die vorzusehende Erbfolge. Im September 1675 nahm er den Titel eines Herzogs von Lothringen an.
Mit Ausnahme der Besatzungsmacht Frankreich hatten die Europäischen Staaten Karl V. Leopold als Herzog Lothringens anerkannt.

Seine kirchliche Laufbahn hatte Karl V zugunsten militärischer Aufgaben beendet, als klar wurde, dass die Erbfolge ihn in die Politik führen würde. Militärisch wirkte er als kaiserlicher Feldherr von 1675–88 und war unter anderem mit ausschlaggebend in der Schlacht am Kahlenberg, dem heutigen Leopoldsberg in Österreich am 12. September 1683 sowie bei der Eroberung von Ofen, dem heutigen Buda / Budapest im Jahr 1686.

Mit der Schlacht am Kahlenberg am 12. September 1683 endete die Zweite Wiener Türkenbelagerung.
1688 trat er das militärische Amt an Kurfürst Max Emanuel von Bayern ab. Kurz darauf übernahm er nochmals ein Kommando im Rahmen des Pfälzischen Erbfolgekrieges. Karl V verstarb am 18. April 1690 im Oberösterreichischen Ort Wels. Sein Leichnam wurde zunächst in der Innsbrucker Jesuitenkirche beigesetzt. Als 1697 Frankreich durch den Frieden von Rijswijk Lothringen wieder freigab, überführte man ihn in die Lothringische Hauptstadt Nancy, wo sich noch heute die letzte Ruhestätte Karls V. und die weiterer Herzöge von Lothringen befinden.

Nachfolger wurde sein Sohn Leopold Joseph von Lothringen, geboren am 11. September 1679 in Innsbruck, verstorben am 27. März 1729 in Lunéville. Er war von 1690 bis 1729 Herzog von Lothringen, zunächst wegen seines Alters noch vertreten durch seine Mutter Eleonore Maria Josepha. Sie war Tochter
des Erzherzogs von Österreich, Kaiser Ferdinand III aus dem Hause Habsburg und trug die Titel Königin von Polen und Herzogin von Lothringen.
Nach seinem frühen Tode folgte Franz Stephan von Lothringen als Franz III. Herzog von Lothringen und Bar.

Kaiser Franz I. (Franz Stephan von Lothringen)
(geboren 08.12.1708, verstorben 18.08.1765)
(in Bearbeitung...)
Wie man die Biografie bewerten soll, ist, wie so oft, stark abhängig vom Blickwinkel des Beurteilenden.
Ob er in seiner eher unpatriotischen Art seinem Volke wirklich dienlich war, sei dahingestellt. Friedlicher als in vorangegangenen Jahrhunderten mag es wohl gewesen sein. Ersichtlich ist aber auch, dass er gewollt oder gezwungen Wegbereiter für einen noch weniger "lothringisch-patriotischen" Nachfolger wurde.
Den Tausch eines über die Jahrhunderte bestehenden Herzogtums gegen Ehefrau und Ruhesitz kann man mit Wohlwollen als Kuriosität ansehen.
Mag sich dabei der Eine an den berühmten Kuhhandel erinnern, so ist es für Andere vielleicht die Kunst hoher Diplomatie.

Den persönlichen und privaten Nutzen konnte er durch sein Handeln jedenfalls mehren, und eine Politik für den Augenblick der Gegenwart entspricht ja auch weitgehend heutiger politischer Prämissen.
Dass Lothringen damit den unumkehrbaren Weg nach Paris antrat, war der Preis.

Franz Stephan wird in Chroniken als klug, aber ohne Ehrgeiz beschrieben.
Unstrittig scheinen seine ökonomischen Begabungen, aufgrund derer er gerne als Berater konsultiert wurde. Im Umfeld der beiden ältesten Dynastien, Habsburg und Lothringen, war Franz Stephan als Sohn des Herzogs Leopold von Lothringen und der Prinzessin Elisabeth Charlotte von Orléans bereits als 15-Jähriger an den durchaus bildungsorientierten Wiener Hof gekommen.
Als Enkel von Karl von Lothringen, des Siegers über die Osmanen und Nachkomme der Habsburgerin Eleonora Maria war er ein Teil der kaiserlichen Familie. Karl VI. ernannte ihn 1732 zum Statthalter in Ungarn.




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Karl IV. Herzog von Lothringen und Bar

Karl V. bis Stanislaus I. Leszczynski

Einige chronologische Daten zur frühen
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jede Zeit braucht ihre Helden




1736 ehelichte Franz Stephan Maria Theresia von Österreich, eine Fürstin aus dem Hause Habsburg, mit der er 16 Kinder bekam. Voraussetzung für die Zustimmung zur Heirat war sein Verzicht auf Lothringen.
Nach dem Aussterben der Medici 1737 war die schöne Toskana gerade "vakant" geworden und konnte somit als Tausch angeboten werden.
Dieses herrliche Fleckchen Erde liess Franz Stephan sich nicht entgehen.

Erzherzogin Maria Theresia Walburga Amalia Christina von Österreich war die Tochter von Kaiser Karl VI. und seiner Gemahlin Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel.

Politisch machte Franz Stephan es sich nach seiner Heirat als Ratgeber bequem. Der Schöngeist widmete sich den Naturwissenschaften, entdeckte seine Leidenschaft für Mineralien und Münzen. Er zeigte Kreativität bei Gartenanlagen und dem Wiener Tiergarten Schönbrunn, dem ältesten öffentlichen Tierpark Europas. Er war ein erfolgreicher Wirtschafter.
56-jährig verstarb Franz Stephan 1765 während der Hochzeitsfeierlichkeiten für seinen Sohn Leopold an einem Schlaganfall.

Im Jahre darauf verstarb auch im fernen Lothringen sein Nachfolger Stanislaus I. Leszczynski. Hochbetagt mit 88 Jahren brachte er Lothringens eigenständige Geschichte "erfolgreich" zu Ende. Fortan war auch der letzte Rest des einstmaligen Mittelreiches Lothars Französisch. ...Und wer nun glaubt, dass der Grosse Frieden kam, wird enttäuscht. Nur das Banner wechselte, die Kriege blieben...


Gerne wird noch heute, besonders in der offiziellen Lesart, die Regentschaft Leszczynskis als eine Zeit des grossen Friedens gesehen. Anders betrachtet, führte er in recht bequemer Weise ein von Frankreich unbehelligtes Lothringen. Für Paris bestand keinerlei Anlass mehr, weitere Eroberungszüge gegen Lothringen zu unternehmen, war doch vertraglich die Übergabe des Herzogtums zum Ende der Regierungszeit Leszczynskis vereinbart.
Dank der Friedensdividende konnten in dieser Zeit zahlreiche Prachtbauten entstehen, mit denen sich der grosse "Wohltäter" schon zu Lebzeiten das eine oder andere Denkmal sicherte.

Wer die friedliche und widerstandslose Übergabe seines Territoriums bei Zeiten erklärt, kann damit durchaus den Frieden sichern - zumindest den gegenwärtigen. Für Leszczynski war es offensichtlich egal, dass Lothringen nach seiner Regentschaft die Eigenständigkeit verlieren würde. Seinem Ruf als Friedensengel Lothringens hat's nicht geschadet.
Noch heute dominiert sein glanzvoll gehaltener Name die Architektur der Region. In Nancy begegnet man der Verehrung seiner Person allerorten.

Und weil es von nun an Paris war, wo die Geschichte geschrieben wurde, kam auch niemand auf die Idee, den Grossen Stanislaus kritisch zu betrachten.

Seine Form der Friedenssicherung zeigt vielleicht auch einen typisch neuzeitlich-Europäischen Charakter.
Jeder Hund, der sich anstelle des Kampfes auf den Rücken legt, kann mit etwas Glück den Bissen des gegnerischen Aggressors entgehen. Somit kann die kampflose Unterwerfung ein durchaus probates Mittel sein, den Frieden zu erhalten. Die Nähe zum Hochverrat am eigenen Land darf dabei allerdings nicht stören.






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