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Jeanne d´Arc
man brauchte sie, also schuf man sie...


Jahrhunderte lang schien die grosse, und in ihrem Selbstverständnis noch viel grössere Nation Frankreich, keine heldenhafte Jeanne zu benötigen.

Hatte man doch immer wieder genügend zeitgenössische Leitbilder für den Rest Europas hervorgebracht.
Über lange Zeit waren es gerade die Französischen Königshäuser, die mit ungebremster Verschwendung allen Monarchen des Kontinents vorlebten, was hemmungsloser Feudalismus darzustellen hat.
Sie galten der Aristokratie Europas als glänzendes Vorbild.

Oft kopiert und dennoch nie erreicht, schauten Fürsten, Könige und Kaiser ausserhalb Frankreichs zur Lebensweise am Französischen Hof geradezu ehrfürchtig empor.

Problematisch wurde die Lage, als die Grande Nation mit dem doch eher schmählichen Ende Napoleons 1815 empfindliche Schrammen bekam.
Schon der Spanische Unabhängigkeitskrieg war Mitte 1808 mit der grössten Niederlage auf der Iberischen Halbinsel in Bailén nicht wunschgemäss verlaufen. Der Versuch, in Mittelamerika die eigene Weltmachtstellung zu beweisen endete in der Schlacht bei Puebla 1862 (Mexiko) ruhmlos, und das Gefecht von Camerone im Folgejahr konnte die Situation nicht bessern.

Waren dies eher kleinere Scharmützel, so litt der Glanz der ansonsten sieggewohnten Weltmacht unter dem Kriegsausgang von 1871.

Ein solches Trauma ruft nach Helden. Und mit ein wenig Phantasie lassen sich selbst Gebannte in einen solchen Heldenstand erheben, wenn sie denn in den Zeitgeist passen.

Schon zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die bis dahin geradezu verschollene 1412 geborene Jehanne aus dem kleinen Domrémy in Lothringen wiedentdeckt worden.
Nun entwickelte sich eine geradezu patriotische Verehrung ihrer Person nebst schnell gefundener legendärer Heldentaten.
In der Literatur und der bildenden Kunst fand die Figur schnell Anklang. Weiblich, heldenhaft, jung und aus nachweislich einfachen Verhältnissen, also aus dem Volke - das sind die besten Attribute der Zeit - über jeden Verdacht der Nähe zur gehobenen Gesellschaft erhaben, trug die kleine Schäferin auch keine dynastischen oder gar revisionistischen Gene und war von daher revolutionskompatibel - dazu stammte sie noch aus dem schon immer als urfranzösisch angesehenen Lothringen - besser geht es kaum.

Ohne den Segen Roms läuft nichts !

Mag sich das postrevolutionäre Frankreich noch so gerne sekular gegeben haben, eine päpstliche Anerkennung beugte immernoch dem Zweifel vor.


Es bedurfte also noch des Nachweises tiefer Religiosität, wenn möglich mit dem Schmuck des einen oder anderen Wunders, ein paar Heiligenerscheinungen tun es aber auch -
und mit ein wenig politischer Unterstützung konnte die Karriere beginnen.

Ab nun ging Alles recht zügig:
Ob per Zufall oder Generalstabsplanung, der zeitliche Ablauf zeigt die Zielrichtung an.
1881 wurde ein grosszügiger Sakralbau zu ihren Ehren initiiert (Bois Chénu).
1883 waren die Krypta und die Vorhalle erstellt.
1891 entstand der mächtige Glockenturm.

Plötzlich erklärte Rom 1894 die einstmals als Ketzerin gebranntmarkte Jeanne für verkehrenswert. Man durfte also wieder über sie sprechen, sie öffentlich benennen, und sogar verehren.

1905 erinnerte sich Frankreich an die Grundsätze der Sekularität und wies die Pater aus, was das Projekt erheblich gefährdete.
Die Seligsprechung Jeannes erfolgte 1909.
1920 durften die Geistlichen wiederkehren, und der Bau wurde in nun erweiterter Form fortgesetzt.

Man griff einen Plan von 1900 auf, der für die Basilika die Verdopplung der Grundfäche vorsah, das Werk erhielt 7 Altäre.

Und wie es der Zufall wollte, erfolgte im selben Jahr 1920 auch noch die Heiligsprechung.
Die neue Nationalheldin ward geboren,
und die Denkmalgiessereien freuten sich über ein neues Modell, welches nun in Serie gefertigt werden konnte - Heldengiessen lag im Trend der Zeit.
Endlich war man wieder Wer.


Die Einweihung der Basilika Bois Chénu fand 1926 statt. Der Kuppelschmuck mit den grossflächigen Mosaiken entstand ab 1931. Den offiziellen Rang einer Basilika erhielt der Bau 1938 durch Papst Pius XI.
Zu den Feierlichkeiten im Jahr 1939 verzeichnete man rund 100.000 Besucher.

1943 erhielt die Basilika eine üppige Orgel und ab 1945 schmückten auch farbige Glasfenster den Bau und die Ehrentreppe im Inneren wurde hinzugefügt.
In den Treppengeländern eingearbeitet sind die Wappen zahlreicher Orte, entlang des Siegeszuges der Jeanne d´Arc.

Ihren heroische Befreiungsfeldzug als Friedensmission zu sehen, wäre vermutlich nicht angemessen - dennoch trägt diese Treppe ausgerechnet den Namen Friedenstreppe...



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jede Zeit braucht ihre Helden


Ein grosses Rundmosaik aus über 100.000 Steinen in der Kuppel stellt Jeannes Einzug ins Paradies dar. Als Heilige steigt sie aus dem brennenden Scheiterhaufen auf, der Dreifaltigkeit entgegen. Alle für ausreichend bedeutsam gehaltenen Persönlichkeiten der Weltgeschichte, bis hin zu Karl dem Grossen, wurden als vermeintlich Anwesende hemmungslos vereinnahmt. Ungeachtet allen zeitlichen Zusammenhangs treffen sich in diesem Werk von Charles Lorin aus dem Jahr 1936 geistliche wie auch weltliche Vertreter von Rang zu einem farbenfrohen Potpourri und werden zu Statisten einer Gratwanderung am Rande zum Kitsch.

Jede Epoche hat ihr Weltbild. Im Mittelalter waren solche Motive sicher noch hoher Kunst würdig.
Nach über zwei Jahrhunderten der Aufklärung in Frankreich sich immernoch solcher Bilder bedient zu haben, kann aber auch durchaus peinlich sein, und sollte es vielleicht auch.

Alles zu seiner Zeit. Im 20. Jahrhundert gerät solche Motivwahl, trotz noch so hohen handweklichen Aufwands, in bedauerliche Nähe zum Comic.
Gerade in Frankreich, wo man das 18. Jahrhundert auch stolz und gerne als "das Jahrhundert Voltaires" bezeichnet, hätte diese Form Kultureller Regression den entschieden Widerstand intellektueller Kreise bewirken müssen.

Aber man brauchte ja eine neue Heldin, da waren anscheinend alle Mittel recht. Dem Klerus gönnte man wieder ein Stück weit seine alte Macht, die Säkularisation war ja schon über 100 Jahre her, und so erhielt man die Heilige, die man haben wollte, um einen werbewirksamen Kristallisationspunkt für die Einigung des Volkes zu schaffen.

Nun konnte die Depression endlich überwunden werden, und mit verklärt erhobenem Blick durfte man fortan gemeinschtlich wieder einer Lichgestalt huldigen.



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